REFUGIO KUNSTWERKSTATT FÜR FLÜCHTLINGSKINDER |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Foto: René Neumann |
DIE RECHTE DER KINDER
Jedes Kind hat das Recht auf
aus der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen vom 20. November 1989 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Situation der FlüchtlingskinderWeltweit sind etwa sechs bis zehn Millionen Kinder auf der Flucht vor Bürgerkrieg, Gewalt, Bedrohung oder politischer Verfolgung. Allein in Deutschland leben circa 5.000 bis 10.000 Kinder, denen die Flucht ohne ihre Eltern gelungen ist. Im Exilland erhoffen sich die Kinder ein sicheres Umfeld, doch schnell machen sie die Erfahrung, unerwünscht zu sein. In Deutschland dauert es oft Jahre bis der Asylantrag bearbeitet ist; die Kinder leben in dieser Zeit weiter in Unsicherheit. Eine Wohnknappheit in den Unterkünften verhindert, dass Kinder einen Rückzugsraum haben. Häufiges Umziehen bedingt Schulwechsel und erschwert es den Kindern, soziale Kontakte zu knüpfen. Das Recht auf Schule und einen Ausbildungsplatz fehlt vielen Kindern, und auch vor Abschiebehaft sind die Kinder nicht ausgenommen. Quelle:Pro Asyl: Alle Kinder haben Rechte – Kinderflüchtlinge und die deutsche Politik , 17.07.2005 Beispiel für das Leben in einer staatlichen Unterkunft an der Peripherie MünchensDie Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge lässt sich wie folgt beschreiben: Die Heime sind einstöckige ca. 100m lange und 10m breite Container, in denen sich an die sechzehn Quadratmeter große Zimmer befinden. Jede Familie hat - je nach Andrang - Anspruch auf ein bis zwei Räume, in denen dann im Durchschnitt vier bis fünf Personen leben müssen. Duschen, Toiletten und Küche werden gemeinschaftlich benutzt. In der Küche befinden sich lediglich einige Kochplatten und Spülbecken. Der Geruch von Essen hängt schwer in der Luft. Die Regierung von Oberbayern stellt den Bewohnern sogenannte Essenspakete, die von den Mitarbeitern der Caritas verteilt werden. Der Inhalt entspricht eher dem niederen Preisniveau und passt sich individuellen Bedürfnissen nicht immer an.Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen1989 wurde die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verabschiedet. In der Kinderrechtskonvention sind persönliche, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Grundsätze zum Schutz der Kinder festgehalten, nach denen Kinder das Recht haben, in Sicherheit und ohne Diskriminierung zu leben. 185 Staaten haben der UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert, Deutschland am 05.04.1992, jedoch mit einer Vorbehaltserklärung. Juristisch steht das Kindeswohl nachrangig vor dem deutschen Ausländerrecht und Kinderrechte werden somit außer Kraft gesetzt. Bis heute wurden die Kinderrechte nicht im Grundgesetz verankert, obwohl sich die rot-grüne Bundesregierung bereits 1998 zur Rücknahme der Vorbehaltserklärung in ihrem Koalitionsvertrag verpflichtete. Quelle:Stefan Peucker: „Deutschland und die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen“ in: Studentische Aktionsgruppe Flüchtlinge: "Traumland – Deutschland - Flüchtlingsalltag in Coburg", 2005, S.31-33 Kinderrechte außer Kraft gesetztDeutsche Kinder und Flüchtlingskinder sind in Deutschland nicht gleichgestellt. Folgende Beispiele zeigen, dass Gesetze entgegen den Kinderrechten stehen:
Pro Asyl: Alle Kinder haben Rechte – Kinderflüchtlinge und die deutsche Politik , 17.07.2005 Flüchtling-Sein in MünchenDie Kinder sind meist gemeinsam mit ihren Eltern in städtischen oder staatlichen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Sie haben Flucht erfahren, Freunde und Familie verloren und sind im Exil mit einer ihnen fremden Kultur konfrontiert. In den staatlichen Gemeinschaftsunterkünften, die sich meist an der Peripherie Münchens befinden, sind hauptsächlich diejenigen Flüchtlinge untergebracht, deren Aussicht auf ein Bleiberecht aufgrund ihres Aufenthaltstatus sehr unsicher ist. Daheim werden die Fluchterlebnisse meist verdrängt, dies ist ein typischer Abwehmechanismus für Menschen mit Fluchthintergrund, die in Angst vor Abschiebung leben. Gesetzliche Rahmenbedingungen führen dazu, dass immer weiniger Personen in den Unterkünften unterzubringen sind und in infolgedessen immer mehr Unterkünfte schließen. So ist es keine Ausnahme, dass manche Kinder in einem Jahr mehrfach umziehen müssen. Sie wechseln jedes Mal die Schule und müssen sich an eine neue Umgebung gewöhnen. Für das Jahr 2005 ist es geplant im Regierungsbezirk Oberbayern neun Unterkünfte zu schließen, in Bayern gesamt sollen es 31 sein. Jedoch betrifft dies nicht nur staatliche, sondern auch immer mehr städtische Unterkünfte. Flüchtlingskinder sind die besonders Leidtragenden in dieser Situation. Sie erleben die Gefühls- und Persönlichkeitsveränderungen ihrer Eltern, die häufig traumatisiert sind. Außerdem wird ihnen eine hohe Verantwortung zugeschoben, sie sollen zum Beispiel bei Einkäufen und Behördengängen für die Eltern dolmetschen und auf kleinere Geschwister aufpassen. Sie erfahren also eine extreme Belastung und ihnen fehlt in den Gemeinschaftsunterkünften ein Rückzugsraum. Viele haben starke Schulprobleme, häufig bedingt durch mangelnde Sprachkenntnisse. Sie leben eingezäunt in ihren Unterkünften und damit nahezu ausgegrenzt von der Gesellschaft. Psychosomatische Beschwerden, wie Ess- und Schlafstörungen, Einnässen, hypermotorisches Verhalten und Autoaggression sind häufig. Quellen:Siegfried Benker: „Gibt es eine richtige Flüchtlingssozialarbeit in der falschen Politik? Über das Wechselspiel von Sozialer Arbeit mit Flüchtlingen und Kommunalpolitik am Beispiel der Stadt München“ in: Florian Fritz und Frank Groner (Hrsg.): Wartesaal Deutschland: Ein Handbuch für die Soziale Arbeit mit Flüchtlingen, Lucius und Lucius, 2004, S. 274 Waltraut Wirtgen: „Überlebende von Folter in der Asylgesetzgebung 1996 REFUGIO München als Brücke zwischen menschlichem Einzelschicksal und politischer Realität“ in: Waltraut Wirtgen (Hrsg.): Trauma – Wahrnehmen des Unsagbaren, Roland Asanger Verlag Heidelberg, 2000, S.75, 83 Heiko Kauffmann: „Flüchtlingskinder ohne Rechte“ in: Türk, Margit (Hrsg.) und der AusländerInnenbeauftragten der Landeshauptstadt München: Ich besiege alle Drachen: Künstlerische und therapeutische Arbeit mit Flüchtlingskindern, Horlemann, 1997, S.80 Abdruck des Bayrischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen mit Rückantwort von Christa Stewens auf die schriftliche Anfrage der Frau Abgeordneten Renate Ackermann, Bündnis 90 / Die Grünen vom 18.01.2005; betreffend: Unterbringung und Lebensbedingungen der Asylbewerberinnen und Asylbewerber, S.20 Anliegen: Umsetzung der KonventionIn Deutschland haben sich circa 90 Organisationen zur "National Coalition" zusammengeschlossen, um die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention vorbehaltlos in Deutschland durchzusetzen. Dazu gehören Kinder-, Flüchtlings-, und Menschenrechtsorganisationen, Kirchen und Wohlfahrtsverbände.Sandra Ulbrich
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||