Streetart in der Bayernkaserne

Ein gemeinsames Projekt von REFUGIO München und dem Künstler-Duo Herakut

Vom 29. September bis 2. Oktober 2014 veranstaltete REFUGIO München in Zusammenarbeit mit dem Künstler-Duo Herakut einen Streetart-Workshop für Flüchtlinge in der Münchner Erstaufnahmeeinrichtung. Im Rahmen offener Gruppen bietet die REFUGIO Kunstwerkstatt dort Fotografie, Kunst und Musik für junge Flüchtlinge an. Unterstützt wurden die Mitarbeiter der Kunstwerkstatt diesmal von Jasmin Siddiqui (Hera) und Falk Lehmann (Akut), die durch ihre Streetart-Projekte weltweit Aufsehen erregt haben.

 

Der Streetart-Workshop war sowohl für die Teilnehmer als auch für unser Team eine intensive, begegnungsreiche und farbenfrohe Woche. Das Projekt schuf jedem eine Möglichkeit, sich zu beteiligen.  Manche trugen poetische Sprüche bei, die wiederum von deren Freunden kalligrafisch an der Wand umgesetzt wurden.  Die Kleinsten bemalten die untere Wand, die Sportlichen kletterten auf Leitern oder Gerüst, um sich im oberen Bereich kreativ auszuleben.  Andere saßen entspannt gegenüber und betrachteten stundenlang das Geschehen.

„Hope is what we are travelling on“

war das Thema der ersten Wand. Jasmin Siddiqui und Falk Lehmann malten eine Taube, auf deren Rücken zwei Jungen sitzen. Ein kurdischer und ein afghanischer Junge aus der Bayernkaserne waren Modell für die beiden und liefen voller Stolz vor der Wand auf und ab.

„Wenn wir den Suchenden die Zuflucht verwehren, was sind wir dann für Menschen?“

steht auf der zweiten Wand, die dem Thema Mütter gewidmet ist. In vielen verschiedenen Sprachen wurden Botschaften an die Mütter dieser Welt gemalt.  Eine davon lautet: „Das Schönste in der Welt ist euer Mitgefühl.“

Die gemeinsame Zeit, die wir mit den Bewohnern der Bayernkaserne verbracht haben, war für uns sehr wertvoll. In ruhigeren Momenten waren Gespräche möglich, mit buntgemischten Sprachen, Händen und Füßen. Nicht selten konnten wir bei einem Transfer ein herzliches „Good luck to you and your family“ mit auf den Weg geben oder auch ein „Welcome to Germany!“ für die frisch Angekommenen.

Ein ganz Herzliches Dankeschön gebührt Jasmin und Falk. Ohne diese großartigen Künstler wäre ein Streetart-Projekt auf solch hohem Niveau und mit so viel Herz nicht möglich gewesen!

Weitere Infos zur Arbeit der beiden Künstler: www.herakut.de

http://www.herakut.de/2014/10/30/refugee-painting-project-with-refugio/

Das Projekt wurde von den Mitarbeitern der Refugio Kunstwerkstatt Verena Wilkesmann und Max Kratzer begleitet. Die Gestaltung der Wände wurde von einem gleichzeitig stattfindenden Fotoworkshop der Refugio Kunstwerkstatt dokumentiert.

Statement Herakut: „Durch unsere Arbeit mit der Organisation aptART hatten wir im Februar 2014 viel Zeit mit Kindern und Familien verbracht, die vor dem geflohen sind, was als die größte humanitäre Krise unserer Zeit gilt: dem syrischen Bürgerkrieg. Noch im Februar wusste kaum einer etwas über den IS-Terrorismus und das seit Kriegsausbruch Anfang 2011 Millionen von Syrern aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Für uns selbst war es kaum vorstellbar, welche Qualen diese Menschen erleiden mussten, bevor sie endlich in dieser seltsamen Realität des Flüchtlingsdaseins in Deutschland anlangten. Ihre Geschichten zu hören schockiert und beschämt, wenn man daran denkt, wie arrogant sich manche Deutsche zur Flüchtlings- und Asylpolitik äußern. Dabei sollte man vor dem Mut und der Kraft der Flüchtlinge größten Respekt haben. Sie haben sich für das Leben entschieden. Wenn wir ihnen jetzt nicht helfen, sich ein eben solches positives Leben aufzubauen, dann wird es jemand anderen geben, der sich ihren Mut und Kraft im negativen Sinne zunutze machen wird. Das wird mit jedem neuen medialen Auftritt der IS ersichtlicher. Es liegt an uns, den Flüchtlingen Perspektiven aufzuzeigen, kulturell zu fördern. Gerade die Kunst ist perfekt für die Aufgabe, Menschen zu motivieren, ihrem individuellen Geist Freiraum zu geben, ganz eigene Gedankenwelten zu entwickeln und auf friedvolle Weise nach außen zu tragen. Genau das ist das Gegenteil von Fanatismus und Dogmen. Kunst ist das Gegenteil von dem, was die IS oder jede andere Art Diktatur zu installieren versucht. Es sollte in den Krisengebieten der Welt viel mehr Projekte wie aptARTs Colours Of Resilience und mindestens eine Refugio Kunstwerkstatt in jeder Stadt Deutschlands geben.“