Ferienprojekt „In drei Tagen um die Welt“

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Im August 2012 stand in München wieder die Ferien- und Reisezeit an. Viele Kinder und Jugendliche meldeten sich zu Ferienfreizeiten im In- und Ausland an. Flüchtlingskinder können diese Angebote jedoch aufgrund von aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen nicht so einfach in Anspruch nehmen. Während normalerweise Schule und Kindergarten für Abwechslung sorgen, sehen die Ferien für Flüchtlingskinder eher trostlos aus. Die Kinder kommen von der Unterkunft, in der sie leben nur sehr schwer woanders hin. Die Eltern haben oft keine Möglichkeiten, ihren Kindern ein kindgerechtes Ferienprogramm zu bieten.

Dabei sind Ferien so eine wichtige Zeit für Kinder, auf die sie sich freuen. Es ist eine Zeit für aufregende Erlebnisse, eine Zeit um Gemeinschaft zu erleben, Freundschaften zu schließen und Anerkennung zu erfahren.


Die Flüchtlingsunterkünfte sind kein Ort, an dem Kinder groß werden sollten. Alles macht einen heruntergekommenen und tristen Eindruck. "Bisher war es hier sehr langweilig. Es ist überhaupt nichts passiert. Zum Glück seid ihr gekommen, um mit uns zu spielen", sagt Aischa (6) aus Somalia zu Beginn der Sommerferien. Sie lebt seit einem Jahr in der Unterkunft und besucht den Kindergarten. Mit "ihr" meint sie ein Team der REFUGIO Kunstwerkstatt und viele ehrenamtliche Helfer, die drei Tage lang den Workshop „In drei Tagen um die Welt“ für Flüchtlingskinder in München anboten. Möglich wurde dieses Projekt durch eine Kooperation des Projektes "Kinder- und Kulturwerkstatt Pasinger Fabrik" und REFUGIO.

Über dreißig Kinder nahmen an dem REFUGIO-Sommerferien-Programm in der Pasinger Fabrik teil. Zur Begrüßung erhielten alle Kinder einen eigenen Expeditionsausweis.

Gemeinsam machten wir uns dann auf eine imaginäre Reise um die Welt. Die Kinder bildeten verschiedene Teams:


Die „Makeup-Künstler“ schminkten die Darsteller entsprechend ihrer Reiseziele. Das „Medienteam“ begleitete die Geschehnisse mit einer Kamera und schnitt am Ende sogar einen kleinen Abenteuer-Film.  Die „Bühnenbildner“ sorgten für die kreative Gestaltung des jeweiligen länderspezifischen Hintergrunds. Die „Tanzgruppen“ übten in farbenprächtigen Kostümen traditionelle Tänze aus verschiedenen Ländern ein.

Unser Expeditionsteam fand an der nahegelegenen Würm eine Flaschenpost. Darin entdeckten die Kinder eine alte Papierrolle mit ägyptischen Hieroglyphen, die es zu entschlüsseln galt.  Es ging um eine geheimnisvolle goldene Scheibe, die das Expeditionsteam auf seiner Weltreise  zu entdecken hoffte.

Einem Hinweise zufolge reiste das Team zunächst nach Indien, wo es auf wunderschöne indische Tänzerinnen traf. Zu Ehren der kleinen indischen Prinzessinnen wurden schwungvolle Tänze zu fernen Klängen aufgeführt.  Als eine der Prinzessinnen entführt wurde, war das Expeditionsteam sofort im Einsatz zu deren Rettung unterwegs. Ereignisreiche Stunden folgten, in denen in Ägypten eine Mumie entdeckt wurde und der gefangene Pharao befreit wurde. In der Karibik wurden weitere Hinweise auf den  Verbleib der goldenen Scheibe gefunden und führte die Reisegruppe schließlich in das ferne Afrika, nach Sierra Leone. Nach aufreibenden Abenteuern entschlüsselten sie das Rätsel der goldenen Scheibe und fanden die entführte Prinzessin, die von afrikanischen Priesterinnen in der Wüste aufgefunden wurde.

Besonderen Spaß hatten die Kinder an den gemeinsamen Übernachtungen, beim Pizzabacken und den Filmeabenden in unserem selbstaufgebauten Kino.

Es wäre schön, wenn in Zukunft weitere Ferienaktionen für Flüchtlingskinder in München angeboten werden können. Das wünscht sich auch die 12-jährige Sana, die mit ihren zwei Brüdern an dem Workshop teilgenommen hat. "Mir hat alles hier so viel Spaß gemacht. Es wäre schön, wenn wir nächstes Jahr wiederkommen könnten."