Breakdance oder die unendlichen Bewegungen des Seins

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Breakdance ist eine Sprache unserer Zeit, die in rauher Weise von der harten Realität erzählt, der die betroffenen Jugendlichen ausgesetzt sind. Er ist aber auch Zeugnis der enormen Kreativität dieser Generation. Die interessantesten Kunstformen entstehen oft da, wo sie niemand vermutet, in gesellschaftlichen Randgebieten, gerade unter besonders lebenswidrigen Umständen.

Die Kinder leiden im Asylbewerberheim unter Platzmangel und ständiger Unruhe. Den eigenen Körper als Möglichkeitsraum und Ausdrucksmittel zu kultivieren, die motorischen Kräfte durch Übung und Konzentration zu lenken, das Rhythmusgefühl zu stärken, Beweglichkeit und Ausdruck zu trainieren, waren zunächst die grundsätzlichen Ziele der tänzerischen Arbeit.

Was sind nun die Besonderheiten des Breakdance? Breakdance wurde von den Jugendlichen in den amerikanischen Ghettos entwickelt und thematisiert in einzigartiger Weise das Hinausgeworfenwerden, das schnelle, harte Leben auf der Straße, dem die Heimatlosen ausgesetzt sind. Diese Tanzform erfordert Reaktionsfähigkeit und Akrobatik genauso wie mentale Flexibilität und Witz, welches genau die Fähigkeiten sind, die die Jugendlichen dort brauchen, um zu überleben.

Es handelt sich hier durchaus um die Themen der Gewalt, des Kampfes, der Auseinandersetzung mit einem Gegner. Man kann den Gegner symbolisch reizen, provozieren, angreifen, ja sogar töten – wobei dies alles in der tänzerischen Sprache seinen Ausdruck findet.
Das Thema des Hinausgestoßenseins aktiv zu gestalten, bewirkt, daß sich ein Opfer nicht mehr nur als Opfer der Umstände erlebt, sondern Distanz und Autonomie gegenüber dem ihm Widerfahrenen gewinnt. Zunächst geschieht dies auf der symbolischen Ebene des Tanzes, der zugleich einen Entwurf zur Verarbeitung und Bewältigung einer schwierigen Lebenssituation darstellt.

Die großartige Leistung des Breakdance liegt aber auch noch in einem anderen Bereich. Eines Nachmittags durfte ich miterleben, wie ein Bosnier einem Afghanen einen Sprung aus dem Capoeira – dem brasilianischen Kampftanz – zeigte und darauf dieser dem Bosnier eine Bewegung aus einer chinesischen Kampfsportart erklärte.

Wie selbstverständlich hier multikultureller Austausch stattfindet, läßt mich hoffen, daß diese Flüchtlingsgeneration aus ihrer zerrissenen Situation heraus ganz neue Formen des Zusammenlebens findet.

Stefanie Höll

Breakdance-Gruppe: Jeden Donnerstag von 15-17 Uhr (Außer in den Schulferien)
Im Kunstwerkstatt Projektraum am Luise-Kiesselbach-Platz 2

Die neuen Räume der Kunstwerkstatt am Luise-Kiesselbach-Platz 2 erreicht man am besten mit der U6 (Haltestellen Partnachplatz oder Westpark) bzw. mit den Buslinien 63 und 54 (Haltestelle Luise-Kiesselbach-Platz)
Leitung: Jawad Rajpoot