Kino Asyl


Seit 2016 ist die Kunstwerkstatt Kooperationspartner des Projekts Kino Asyl.

Kino Asyl ist ein Festival mit Filmen aus den Herkunftsländern der in München lebenden Flüchtlinge. Das Festival wird von den Flüchtlingen mit Unterstützung von Fachleuten selbst gestaltet und soll fester Bestandteil der Münchner Festivalszene werden.
Im 2. Jahr von Kino Asyl, das in Kooperation vom Münchner Medienzentrum mit der Refugio Kunstwerkstatt durchgeführt wird, konnten wir uns über großartige Auszeichnungen freuen, etwa den Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen von Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie den renommierten Dieter Baacke Preis in der Kategorie internationale Projekte.

 
Das Festival selbst fand an 5 Tagen im Dezember 2016 in den Münchner Kammerspielen, dem Gasteig und der Hochschule für Film und Fernsehen statt.


Jeden Tag landen Jugendliche aus verschiedenen Ländern der Erde am Münchner Hauptbahnhof. Sie haben meist kein Gepäck dabei, sondern nur ein Stück ihrer Kultur, dieses bringen sie in den deutschen Alltag mit ein. In ihren Herkunftsländern gibt es eine eigene Film- und Fernsehindustrie. Jeder wurde durch die Filme und Sendungen geprägt. Was wäre ein Samstagabend in Deutschland ohne „Wetten dass?“, ein Sonntag ohne den „Tatort“ oder das junge deutsche Kino ohne Fatih Akins „Gegen die Wand“. Aus den Ländern der jungen Flüchtlinge kennen wir diese Kulturgüter nicht. Diese kennen zu lernen und zeigen zu dürfen ist ein großer Gewinn. Hier setzt das Kino Asyl an.

 
Das Festival wird so angelegt, dass die Flüchtlinge auf allen Ebenen aktiv eingebunden sind. Dies wird im Rahmen von Workshops und durch einzelne Akteure gewährleistet. So gestalten die Jugendlichen selbst das Material für Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Poster, Flyer, Programmheft) produzieren die Trailer für das Festival, treffen die Filmauswahl, Präsentieren diese Filme und übersetzen und untertiteln sie gegebenenfalls. Auch das mögliche Rahmenprogramm mit Musik und ggf. Essen wird von Ihnen kreiert.

Den Besuchenden des Festivals wird ein tiefgehender und persönlicher Einblick in eine für Sie ansonsten unerreichbare Lebenswelt ermöglicht.

Die Jugendlichen lernen partizipativ eine vermeintlich fremde Kultur aktiv mitzugestalten und zu bereichern. Durch die Gestaltung der Produkte lernen sie einen souveränen Umgang mit Medien und erhalten eine Bühne für ihre eigene Geschichte. Durch die öffentliche Präsentation und die Übersetzung steigt das eigene Selbstwertgefühl und auch sprachliche Kompetenzen werden gefördert.
Die gesamte Gestaltung (Poster, Programmheft, Flyer, Website…), alle inhaltlichen Entscheidungen (Auswahl der Filme, Begrüßungen, Erläuterungen, Rahmenprogramm etc. ), wurden von unseren Teilnehmern – den Kuratoren, wie sie im Projekt genannt werden – getroffen.

Dabei werden sie maßgeblich von einem dreiköpfigen Unterstützerteam aus Mitarbeitern des Medienzentrums und Refugio angeleitet und unterstützt.
Konkret geschieht das in Arbeitstreffen im Abstand von 2-3 Wochen sowie zusätzlichen Workshops zu speziellen Anlässen, etwa der Produktion eines Trailers.

Hauptfokus liegt die ganze Zeit natürlich zunächst auf der inhaltlichen Arbeit am Programm, die soziale Komponente wird aber im Verlauf des Festivals immer wichtiger.

So bilden die regelmäßigen Gruppentreffen eine stabilisierende Struktur, die einzelnen Teilnehmer lernen sich mit der Zeit besser kennen und freunden sich an. Es gibt immer wieder Raum für individuelle Probleme, sei es um sie in der Gruppe oder einzeln zu besprechen und nach Lösungen zu suchen. Häufig konnten wir im Unterstützerteam durch einfache konkrete Hilfestellung oder Weitervermittlung an andere Stellen positiv auf die Jugendlichen einwirken.

Besonders zu erwähnen ist die sehr hohe Eigenmotivation unserer Kuratoren, sie kommen (meistens nach langen Tagen, abends) zum Teil aus den umliegenden Landkreisen wie Dachau, Rosenheim etc. und zeichneten sich allesamt durch ihre Zuvorkommde und Zuverlässige Art aus.

 
Die Refugio Kunstwerkstatt freut sich auch 2017 Kino Asyl weiterhin zu unterstützen.

Fotos:  Max Kratzer