Reise nach Afrika

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Einige der Kinder, die wir im Rahmen der Refugio Kunstwerkstatt betreuen, leben mittlerweile schon seit vielen Jahren in Deutschland und haben kaum mehr Erinnerungen an ihr Heimatland. Ihre kulturelle Identität suchen die Kinder im sozialen Milieu der Flüchtlingsunterkünfte.
Auf diesem engen Raum leben Menschen unterschiedlichster Herkunft. Da die Kinder trotzdem nur wenig von den anderen Kulturen kennen lernen, haben wir es uns in der Kunstwerkstattgruppe zum Thema gemacht, Phantasiereisen in die Herkunftsländer unserer Kinder zu unternehmen. Dieses Projekt möchten wir nun am Beispiel unserer Reise nach Afrika beschreiben.
Gemeinsam mit den afrikanischen Kindern der Unterkunft gestalteten wir den Raum mit verschiedenen afrikanischen Dekorationen, Tüchern und Statuen. Die afrikanischen Kinder kleideten sich in ihren traditionellen, farbenfrohen Gewändern und luden die anderen Kinder auf eine gemeinsame Reise in ihre Heimat ein. Zu Beginn der Stunde tanzten und trommelten alle zusammen zu afrikanischer Musik.

Gemeinsam suchten wir auf einer großen Weltkarte nach den Heimatländern der Kinder. Dazu durften sie sich Bildbände und Fotos aus Afrika ansehen. Große Begeisterung zeigte sich vor allem bei den vielen wilden Tieren. So durften dann alle ihre Lieblingstiere malen, während wir die Stunde mit einem traditionellen afrikanischen Märchen ausklingen ließen. Märchen werden in Afrika von Generation zu Generation mündlich weitergegeben, oft von richtigen Geschichtenerzählern.

Den Zugang zu dieser anderen Lebenswelt wollten wir über positive emotionale Bezüge herstellen. Das Märchen “Das Affenherz” war dafür sehr gut geeignet. Die Akteure sind Tiere, außerdem spielen fremde Früchte eine bedeutende Rolle. Tiere sind für Kinder immer faszinierend und deshalb spricht dieses Märchen sie sehr an. Den Tieren (Schildkröte, Affe, Krokodil, Giraffe, Löwe, Elefant) werden menschliche Eigenschaften zugewiesen, sie sprechen, denken und handeln wie diese. Die Aussage des Märchens wird also für die Kinder zu einem Modell für menschliche Verhaltensweisen. Somit können sie die Erfahrung machen, dass es zwischenmenschliche Schwierigkeiten auch in anderen Teilen der Welt gibt, denn das Märchen hat Freundschaft, Vertrauen, Teilen, Hinterlist und Gier zum Thema.
Während dem Vorlesen entstanden viele Bilder von starken Elefanten, schnellen Giraffen und gefährlichen Schlangen.
Ziel dieses Projekts ist es, das gegenseitige Verständnis und die Toleranz gegenüber anderen Kulturen zu fördern. Wir wollen das Bewusstsein der Kinder bezüglich ihrer kulturellen Herkunft fördern und sie gleichzeitig zu einem friedvollen Miteinander motivieren. Ein schöner Abschluss der Stunde war die Aussage eines togolesischen Jungen, der vorgeschlagen hatte, doch die nächste Reise nach Bosnien, in das Herkunftsland seines Freundes zu unternehmen. So werden wir das nächste Mal nach Bosnien reisen, und auch bald schon den Irak kennen lernen.

Leitung: Verena Schmidt, Pädagogin M.A.