Mein fremdes Zuhause

Fotoprojekt mit Flüchtlingskindern der Refugio Kunstwerkstatt

Im Rahmen des von der Aktion Mensch geförderten Medienprojektes der Refugio Kunstwerkstatt war ich als ehrenamtliche Fotografin tätig und habe dabei Flüchtlingskinder im Alter zwischen sieben und fünfzehn Jahren aus verschiedenen Ländern kennen gelernt und gemeinsam mit einer Kunsttherapeutin und einer Pädagogin betreut.

Als ich im Herbst 2007 mit meiner Arbeit begann, wurde bekannt, dass diese Gemeinschaftsunterkunft geschlossen werden sollte, was mit sich brachte, dass die Kunstwerkstatt, die einmal wöchentlich stattgefunden hatte, in dieser Unterkunft und in dieser Konstellation keine Zukunft mehr hatte.

Abschied und Umzug waren die Themen, auf die von nun an wiederholt eingegangen wurde. Die Kinder hatten Angst und wussten nicht, wo sie hinziehen würden.

Abschied und Trennung sind zwei Begriffe, um die es sich in einer Flüchtlingsfamilie immer wieder dreht.
Der Umzug von einer Unterkunft in die nächste gehört für viele Kinder schon dazu.
Ständig müssen die Kinder neues Vertrauen und Kontakte aufbauen, nirgends sind sie endlich zuhause.
Um die Wohnsituation, ihre Familie und die Sichtweise der Kinder kennen zu lernen, aber auch, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Dinge, die ihnen wichtig sind, festzuhalten, und so das Thema Abschied zu verarbeiten, bekam jedes Kind eine Wegwerfkamera mit nach Hause.

Als Beweis dafür, dass Freundschaften auch über längere Zeit und über eine örtliche Entfernung hinaus weiter bestehen können, konnten sich alle Kinder in einem gemeinsamen Buch eintragen, um gemeinsam mit den Fotos eine Erinnerung zu behalten.

Zusätzlich wurden die Kinder von mir portraitiert.

Bemerkenswert war, dass die Kinder sich sehr viel Mühe gaben, ihre Wohnsituation und ihre Familie über das Medium der Fotografie vorzustellen. Bei manchen Kindern hatte man das Gefühl, dass es ihnen leichter fällt, über Bilder zu kommunizieren.

Die Ergebnisse sind aufgrund ihrer starken Persönlichkeit und Intimität sehr beeindruckend.

Julia Schmid