Situation der Flüchtlingskinder

Alle Flüchtlingskinder haben traumatische Erfahrungen von Krieg, Flucht und Menschenrechtsverletzungen gemacht. In Deutschland angekommen, sind sie mit ihrer Trauer und ihren Ängsten oft allein gelassen und leben isoliert unter sehr eingeschränkten Lebensbedingungen in den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge. Die Aggressionen, die sich in diesem Lebensumfeld entwickeln, treffen oftmals die Kinder und Schwächeren. Ihre Eltern, die häufig selbst traumatisiert sind, können ihnen oft nur unzureichende Hilfe anbieten. Neben den Folgewirkungen ihrer traumatischen Erlebnisse sind Flüchtlingskinder zusätzlich konfrontiert mit einer fremden Umgebung, einer anderen Lebensart und einer Sprache, in der sie sich nicht verständigen können.

Kinder sind durch Kriege am weitreichendsten geschädigt. Sie werden in ihrer Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt.

Was haben Flüchtlingskinder erlebt?

  • Die Situation vor dem Kriegsausbruch, beginnende Feindseligkeiten, beginnender Terror gegen Minderheiten, zunehmende Verunsicherung und Risse in einer Welt der sozialen Geborgenheit und Sicherheit.
  • Den Krieg selbst, das Erleben von Gewalt, Tod, Trauer und Zerstörung.
  • Verlust des Heims und der sozialen Geborgenheit, Flucht, Gefahr, extremer Hunger, Verlorenheit, Verlassenheit, Erfahrungen mit Gewalt gegenüber Familienangehörigen und gegen sie selbst.
  • Die Flucht, sich verstecken müssen, alles bisher Vertraute verlassen müssen, Lebensgefahr für sich, Eltern und Freunde. Eine ungewisse Zukunft.
  • Die Ankunft in einem fremden Land, ohne Sprache, ohne Kontakte.
  • Oft jahrelanger Aufenthalt in Lagern, Containern, Unterkünften für Asylbewerber, immer bedroht von Abschiebung. Die Schwierigkeit, langfristige Kontakte und Freundschaften im neuen Land aufzubauen.

Wohnsituation

Nach der Flucht folgt eine oft jahrelange Ungewissheit über die Wartezeit und die Entscheidung, ob man als Flüchtling anerkannt wird. Hinzu kommen die erschwerten Lebensbedingungen in den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge. Eigentlich kann hier nicht von Wohnen die Rede sein, denn hierfür müsste nach dem OVG Lüneburg ein Mindestmaß an selbstbestimmter Lebensgestaltung möglich sein, welches in den Unterkünften nicht gegeben ist. Der notwendige Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheits- und Körperpflege und Verbrauchs- und Gebrauchsgüter des Haushalts, wird durch Sachleistungen gedeckt. Dies führt zur Entmündigung der Betroffenen.

  • Familien wohnen in 1-2 Zimmern, Es gibt keinen Rückzugsraum, es herrscht ständiger Lärm
  • Gekocht wird in notdürftig ausgestatteten Gemeinschaftsküchen
  • Sanitäre Anlagen sind in schlechtem Zustand und werden mit mehreren Bewohnern geteilt.
  • Essenspakte sorgen für ein Mindestmaß an Ernährung. Dabei ist oft nicht ersichtlich, ob z.B. Schweinefleisch enthalten ist. Die eigene Esskultur kann nicht gepflegt werden.
  • Es gibt ein Wachdienst, der zu jeder Zeit überprüfen kann, ob sich die registrierten Bewohner auch tatsächlich in der Unterkunft befinden.
  • Die GU wird nachts nicht abgeschlossen, und ist somit für jeden zugänglich.
  • Kinder bekommen zu wenig Schlaf und leiden häufig an Konzentrationsschwäche.
  • Sie haben kein Platz und kaum Ruhe, ihre Hausaufgaben zu machen.

Flüchtlingskinder in der Schule


Krieg und Verfolgung sind für viele Flüchtlingskinder die häufigste Ursache von diskontinuierlichen Schulverläufen, Entwicklungsblockaden und Entwicklungsverzögerungen. Im Schulalltag werden die Folgen der traumatischen Erfahrungen im Herkunftsland und auf der Flucht sowie die Belastungen durch den Kulturwechsel in Deutschland oft durch soziale Isolation, Aggressivität, Rückzug Leistungsschwäche oder Schulabbruch sichtbar. Die Kinder können die Lern- und Verhaltensanforderungen im Schul- und Erziehungssystem, auch wegen häufig fehlender Sprach- und Integrationsförderung, oft nicht erfüllen und geraten ins gesellschaftliche Abseits.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Angebote der REFUGIO Kunstwerkstatt nutzen das kreative Potenzial von Kindern zur Selbsthilfe. Im Schutz des therapeutischen Raumes haben sie die Möglichkeit, beim Malen ihre traumatischen Erfahrungen symbolisch auszudrücken und zu verarbeiten. Der spielerisch-künstlerische Methodenansatz eignet sich besonders gut für die Arbeit mit Flüchtlingskindern, da Sprachbarrieren durch nonverbale Kommunikation überwunden werden können.